Anna Orbaczewska

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Die Werke von Anna Orbaczewska entstehen auf der Basis der Fotografie. Die Absicht der Künstlerin ist jedoch nicht der präzise Fotorealismus. Ganz im Gegenteil. Es ist eher die Skepsis gegenüber dieser objektiven Vision. Eine ständige Suche nach dem richtigen Bild von dem, was sie sah, erlebte und registrierte.

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    Untitled, 2016

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    Untitled, 2017

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    Untitled, 2016

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    Trying to get into, 2016

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    Untitled 2015

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    Krokodil 2014

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    "Landscape II" 2013

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    "Tytus" 2015

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    "Far away from the Sea 2013" SOLD

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    diptych, Untitled 2015

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    diptych, Untitled 2015

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    diptych, Untitled 2011

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    Untitled 2015

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    Untitled 2015

Die Inspiration durch die Fotografie ist hier auf den ersten Blick erkennbar. Die Hauptthemen erinnern an Fotorelationen aus einem Familienurlaub Album – malerische Landschaften als Hintergrund, darauf Abbildungen von geliebten Menschen und Tieren. Gewöhnliche Situationen, banale Ausschnitte, die jedoch intrigieren und etwas verlegen machen. Verlegenheit macht sich breit und das Gefühl, dass es sich um heimlich beobachtete Situationen handelt. Zufällig aus einem entfernten Versteck eingefangen. Wir blicken von hinten auf die nichts ahnenden Gestalten. Die Menschen auf diesen Bildern starren wiederum etwas an, was nur für sie sichtbar ist. Sie verhalten sich natürlich, oft etwas ungeschickt, deshalb, weil sie nicht posieren. Sie scheinen in einer privaten Welt eingetaucht zu sein, sie wissen nicht, dass man sie anschaut.

Dieser Naturalismus und die voyeuristische Perspektive faszinieren, denn es weckt in uns eine beschämende und zugleich eine sehr menschliche Neugierde auf das Leben der Anderen. Zusätzlich wird das Alles durch die Stimmung dieser Werke verstärkt – sie sind intim, nostalgisch und voller Spannung. Aus Anna Orbaczewskas Bildern emaniert eine unerklärliche Unruhe. Die Künstlerin betont, dass dessen Ursache in der fotografischen Vorlage liegt – Die Fotografie mit der „Barthes Wunde“, die sie fast zwingt die Transposition zu malen.

Sie malt also realistisch, konkret, sinnlich, jedoch nur bis zu einem gewissen Grad. Letztendlich stört sie mit Absicht die eingefangene Vision – sie verändert unnatürlich das Licht, verstärkt die Kontraste, verwischt die Konturen. Das tatsächliche Bild nivelliert an den Kanten, wird abstrakter, und an manchen Stellen ganz zu verschwinden. Orbaczewska stellt zu wiederholtem Male ihre Bilder als Zyklus unter dem Titel „Then“ (dann, danach, damals, nun) zusammen. Obwohl der Titel mehrdeutig klingt, bringt er automatisch den Zusammenhang mit Erinnerungen dar. Jene können verschwommen, fragmentarisch, unklar wie die Szenen auf den Leinwänden Orbaczewskas sein. Dabei betont die Künstlerin, dass sogar die Art der Betrachtung der Momentaufnahmen auf den Fotos dem ständigen Zustand der Veränderung unterliegt.

In ihrer Malerei gibt Orbaczewska ihren Eindruck der subjektiv wahrgenommenen Veränderungen weiter. Sie beschränkt sich jedoch nicht auf die eigene Wahrnehmung. Sie untergräbt auch jeden Sinn für oberflächliche und einheitliche Auslegung der Wirklichkeit. Oft bezieht sie sich auf Perspektiven, die uns von oben aufgedrängt werden – durch die Kultur, soziale Rollensysteme oder Normen, welche letztendlich den eigentlichen Sinn des Lebens nicht definieren können. Vielleicht deshalb inspiriert sie die Natur? Und auch Kinder? Wahrscheinlich wegen ihrer einzigartigen, naiven Wahrnehmung der Welt und der sensiblen, natürlichen, ursprünglichen Art des Seins.

Die Natur ist ein separates Thema der jüngsten Bilder Orbaczewskas - Küstenlandschaften, Blick auf den Himmel, oder Studium „eines aus dem Meer auftauchenden Felsens“. Das Klima dieser Arbeiten ist völlig verschieden von den figurativen Werken. Es herrscht hier eine Stimmung der Ruhe und Kontemplation. Diese Bilder lindern die existentielle Angst. Natur erscheint hier als ein Ort der Erholung und der Abgeschiedenheit, als ein erwünschter Unterschlupf.

Gerhard Richter betonte: Das natürliche Sehen uns nicht befriedigt, deshalb betreiben wir Malerei, und dieser Gedanke liegt sicherlich Anna Orbaczewska sehr nahe. Die Künstlerin kehrt fast zwanghaft immer wieder zu den in der Zeit angehaltenen Momenten zurück. Sie verarbeitet sie, multipliziert, belebt sie auf der Leinwand und gleichzeitig dekonstruiert, abstrahiert und bereinigt sie diese. Sie vertraut nicht der objektiven Perzeption. Daher analysiert sie stetig die eigenen Emotionen, Gefühle und Gedanken, die der bestimmte Augenblick in ihr auslöste. Dabei versucht sie die Quelle und den Ursprung ihres Erlebten zu erreichen. Eine Gemeinsamkeit zwischen „Dann“ und „Jetzt“.

Justyna Gongała

 

Künstlerin Statement:

Die Kunst und die Malerei sind ein Weg mich und die Realität besser zu verstehen, der Versuch zu ihren tieferen, subkutanen, versteckten Schichten zu gelangen, die Suche nach einem gemeinsamen Punkt (zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart) außerhalb der Zeit. Den eigentlichen Prozess des Schaffens sehe ich als äußerst wichtig. Faszinierend ist es, dass man bis zum Schluss das Resultat nicht vorhersagen kann. Gewöhnlich arbeite ich mit thematischen Arbeitszyklen, ich analysiere, vertiefe ein auftretendes Problem. Ausgangspunkt für ein Bild ist für mich eine Fotografie, die ich irgendwo spontan und zufällig „geschossen” habe. Ausnahme ist der Zyklus „Wahre Emotionen” und Teile der Bilder des Projektes „Meeting Point“, wo meine Arbeit mit fremdem Material für mich eine gezielte Herausforderung war.

Das geschossene Foto fasziniert mich so sehr, dass ich nicht nur eine Notwendigkeit, sondern sogar einen Zwang verspüre es in malerischer Form zu wiederholen. Auf diese Weise begegne ich wieder meinen Emotionen, Gefühlen. Gedanken, die dieses konkrete Motiv in mir ausgelöst haben.
Mein Ziel ist die Spannung, die ich selbst spürte, als ich die Fotografie anschaute, wiederzugeben. Die von mir gespürte Unruhe und Spannung in dem Foto sind der entscheidende Faktor, dass gerade diese Fotografie der Ausgangspunkt für ein Gemälde wird. Das Malen auf Grundlage von mir gemachter Fotos ist der Versuch die gleiche Situation in die Gegenwart zu transferieren, es ist eine Rückkehr in die Vergangenheit durch den Wunsch diktiert: Einen Raum außerhalb Zeit zu finden.

Ich male öfters das selbe Motiv und suche jedes Mal etwas anderes in der selben Präsentation. Diese Multiplikation gibt mir auch die Illusion der Bewegung, des Dynamischen – sie belebt die flache Fläche des Bildes. Es ist mir wichtig das Geheimnis in dem Bild zu bewahren. Trotz dessen, dass ich bei bildlichen Darstellungen auf eine konkrete, figurative Form zugreife, ist das, was mich wirklich interessiert, mehrdeutig und undefiniert. Anspielung und Flüchtigkeit sind für mich das Wahre und Glaubwürdige.

Meine Zeichnungen entstehen ganz anders als meine Malerei. Inspiration ist in diesem Fall keine Fotografie, sondern Bilder aus meinem Kopf und Fantasie. Die Zeichnungen entstehen spontan, automatisch ohne vorherige Analyse oder konzeptuelle Arbeit.
Meine Zeichnung ergänzt nicht die Malerei, eher steht sie dazu in Opposition, bildet Umkehr, ist Integral. Beide Disziplinen empfinde ich als authentisch und meins.

 


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