Hanna Ilczyszyn

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„Wenn ich deine Seele kenne, male ich deine Augen” soll Amedeo Modigliani gesagt haben, als er das erste Portrait seiner geliebten Jeanne Hébuterne schuf. Diese Worte bestätigte er allerdings in seinen Werken, indem er Personen mit verschwommenem, undeutlichem Blick porträtierte. Das Fehlen der Augen ist ein abgedeckter Spiegel der Seele; und das Fehlen des Gesichts?

Painting
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    "Blue dots"

  • 30 60 50

    "Red stain"

  • 31 90 70

    "Blue"

  • 32 50 40

    "Portrait"

  • 22 100 80

    "Sitting girl"

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    "Shadow"

  • 41 60 50

    "Paleta"

  • 42 60 50

    "Paleta" SOLD

  • 37 80 70

    "Untitled"

  • 46 70 60

    "Head"

  • 44 120 100

    "Garden"

  • 24 60 50

    "Goldfinch"

  • 28 100 80

    "Untitled"

  • 26 100 80

    "Laying"

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    "Forest people" I

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    "Forest people" 2014

  • 33 120 100

    "Forest people"

  • 45 120 100

    "Boy in the garden"

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    "Teddy" 2014

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    "Back" 2014

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    "Girl´s back" 2014

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    "Rain" 2014

Drawings
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    "Rabbit mask" 2013

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    "Child with mask" I

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    "Child with mask" II

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    "Child with mask" III

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    "Child with mask" IV

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    "Girl with Wolf"

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    "Rainbow rabbit" 2014

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    "Girl on the Airbed" 2015

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    "Snowman" 2010

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    "Girl" 2014

Die von Hanna Ilczyszyn kreierten Gestalten zeichnen sich nicht nur durch das Fehlen der Iris aus. Das Fehlen des ganzen Gesichtes wirft die Frage auf: Wie kann man dann einer Person auf der Leinwand Ausdruck verleihen, wie soll man sie personifizieren ohne die markanteste physische Eigenschaften zur Verfügung zu haben? Die Künstlerin greift in ihren Werken auf verschiedene Ausdrucksmittel zurück, zeigt uns den Weg: von der visuellen Welt zu der Welt der Vorstellung und Träume.

Mit ihren Werken, die sie in der Galerie Sandhofer präsentiert, unterstützt sie wie auch der Anthropozentrismus, die Aussage „Der Mensch ist das Maß aller Dinge”. Im Zentrum ihres Interesses ist immer eine Person mit ihren Emotionen, Ängsten und Schmerzen. Denn diese Kunst ist weder leicht noch angenehm für den Betrachter. Sie zwingt zu deduktivem Denken, dazu in sich selbst zu gehen.

Die Helden der Leinwände sind gewöhnliche Kinder – Nicht-Kinder, oft mit dem Rücken zum Betrachter, mit gesenktem Kopf, in einer Haltung der Resignation. Sie nehmen Posen ein, die Traurigkeit, Ernsthaftigkeit und eine nicht kindgerechte Zurückhaltung ausdrücken. Hinter den Haaren, Pflanzen oder Farbflecken versteckte Kindergesichter wecken im Betrachter ein seltsames Gefühl, wie aus einem surrealen Horror. Oder vielleicht aus einem Traum?

Inspiration holt sich Ilczyszyn von Fotografien, die den Menschen in den Vordergrund stellen. Ob das ein altes Familienfoto ist, ein in einer konkreten Szene angehaltener Film, oder ein Bild im Internet – alle müssen sie, auch wenn manchmal mit einem kleinen Detail oder der Mimik der Gestalt, ihre Aufmerksamkeit fesseln können.

Unsere eigenen Fotos, die unsere Erinnerungen zurück rufen, betrachten wir als Darstellung unserer Persönlichkeit aus jener Zeit. Diese Momentaufnahmen aus der Vergangenheit, ähnlich wie Schlaf oder Wachträume, beginnen mit der Zeit zu verblassen und die Einzelheiten geraten in Vergessenheit. Ebenso sind die Gestalten der „kleinen Erwachsenen” unklar, manchmal unbeendet und ohne ausgeprägte Gesichtszüge. Die große Ausdruckskraft liegt daher in ihrer Pose, der unbestimmten Ebene mit definierten charakteristischen Elementen und dem situativen Kontext. Manchmal erscheinen sie aus der Dunkelheit, manchmal blicken sie in den regnerischen Himmel, oft auf einem Sessel oder Ast eines Baumes sitzend. Jedoch rufen sie immer ein eigenartiges Gefühl der Unruhe hervor, zwingen zur Überlegung: Was rief diese Emotion hervor, was geschah zuvor und was geschieht als nächstes?

Selbst der Ausstellungstitel „„No one is looking at you” - „Keiner schaut Dich an”, kann sowohl eine Manifestation des Mutes als auch gleichzeitig die Akzeptanz der eigenen Schwächen sein. Das Bewusstsein als Stärke, dass man alles machen kann, da niemand eine Kontrolle bewirkt. Als Toleranz – man kann die Maske herunter reißen, man braucht sich nicht mehr verstecken, denn niemand beobachtet einen.

Zusätzliche Spannung wird durch die malerische Technik und visuelle Ausdrucksmittel verstärkt. Die Künstlerin benützt Kontraste, verbindet gegensätzliche Koloraturen wie bevorzugt Schwarz und Weiß, verwendet gleichzeitig Öl- und Acrylfarben. Die inhaltlich bedeutsamen Elemente werden mit starken Kontrasten unterstrichen, mit suggestiven Farbakzenten, die mit dicken, kurz ausgeführten Pinselstrichen aufgelegt wurden. Der Hintergrund ist lasiert, dank dessen ein reicher, unregelmäßiger Effekt mit sichtbaren Pinselbewegungen auf der Leinwand entsteht. Charakteristisch ist in diesen Bildern auch die warme Tongebung wie etwa ein Haarband auf grau-blauem Hintergrund in der für die Künstlerin symbolischen Kraft-evozierenden Farbe Rot. Bemerkenswert sind auch Experimente mit überlappenden Schichten des gleichen Pigments um Ungewöhnliches zu erreichen, z.B. weiß auf weiß, grau auf grau. Diese Griffe ziehen den Betrachter in das Innere des Bildes, das dadurch zu mehr als einer flachen Farbenfläche wird. Signifikant für die Künstlerin sind kleine farbverwässerte Rinnspuren auf der Oberfläche, die den Effekt von etwas Verwaschenem und Unklarem, wie in einem Traum ergibt.

Die oneiristische Malerei von Hanna Ilczyszyn nimmt uns auf eine Reise in die Tiefen des eigenen Unterbewusstseins mit. Die uns lautlos rufenden Figuren werden zu unserer Repräsentation, unseren Traum-Imaginationen. Wir könnten plötzlich ein kleines, trauriges Mädchen, das in die Ferne blickt sein; oder ein kleiner Junge, nicht bewusst der Gefahr, die auf ihn lauert. Die seltsame durch Ilczyszyn geschaffene Märchenwelt ist unsere Welt – die Welt der Konfrontation der Unschuld eines Kindes mit Angst und Traurigkeit.
Pass auf, denn „Wenn der Verstand schläft, wachen die Dämonen auf”.

Sandra Zagajna

 


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