Econova Kunst

Zeitgenössisches aus Polen. Galerie Sandhafer in der Claudiastraße in Innsbruck

Seit vier Jahren betreibt Kasia Sandhofer in einem Jahrhundertwendehaus im Saggen ihre Galerie als Plattform für Künstlerinnen aus Polen. Da polnische Künstlerinnen international zunehmend für Aufsehen sorgen, liegt sie mit ihrem Programm im Trend. Das Angebot umfasst junge und etablierte Positionen zeitgenössischer polnischer Kunst, die noch günstig und daher auch für Sammler mit kleinerem Budget interessant sind.
Die Galerie Sandhofer hält an keinem starren Konzept fest: "Ich möchte junge Talente fordern und sehe mich mehr als Vermittlerin denn als Händlerin", so die engagierte Galeristin. Deshalb ist in den kleinen, dezenten Räumlichkeiten auch fur Facettenreichtum gesorgt: Programmatische Brüche, die zeitgenössische Kunst im komplexen Wandel widerspiegeln, gehören zur Grund- idee. Alle Ausstellungen werden in enger Zusammenar- beit mit den KünstlerInnen konzipiert.
Kasia Sandhofer stammt aus Warschau, lebt aber seit fast 20 Jahren in Österreich. Ihre Kontakte zur polnischen Kunstwelt konnte sie sich stets erhalten. Einer davon ist Jaroslaw Bauc, dessen Werke noch bis Ende September in der Galerie Sandhofer ausgestellt werden. Der Künstler ist 1959 in Krakau geboren, absolvierte sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Danzig und war Stipendiat des bekannten deut- schen Künstlers Markus Lüpertz. Heute ist er Profes- sor an der Akademie in Danzig. Seine Kunst sieht er als Kommunikat und Methode zur Selbsterkennung. In den Motiven seiner Werke, ein Beispiel ist das Ab- bild von Qyeen Elizabeth in Millionen Exemplaren als Briefmarke vervieWiltigt, sieht er nicht die Ikone der Massenkultur. Er sieht darin vielmehr das male- rische Problem, dessen Lösung sich eben in schöpferischer Intuition versteckt. Seine künstlerische Suche ist gleichzeitig der Weg zu innerem Gleichgewicht und Harmonie.Jaroslaw Bauc hält eine widerspenstige Distanz zum Thema der Bilder. Sein Interesse am Hauptmotiv ist das Spiel mit malerischen Konventionen – die Rolle des Malers als Porträtist. Er nimmt den Betrachter mit seiner Leichtigkeit und scheinbaren Einfachheit seiner Werke ein und meidet das rein dekorative Element. Ein Minimum an malerischen Mitteln, indem er sich auf kräftiges Rot und verwandte Farben reduziert. In Baucs Bildern ist die Farbgebung entscheidend - er schafft damit Form als auch Raum. Die farbliche Monotonie in seinen Werken verleiht ihnen eine melancholische Aura.
Permanente Schmuckausstellung Jedoch nicht nur Bilder von polnischen KünstlerInnen wie Jaroslaw Bauc, Jan Konieczny, Robert Motelski, Marzena Slusarczyk u. v. a. werden in der Galerie Sandhofer gezeigt. Ein weiterer Schwerpunkt im Galerienprogramm ist die angewandte Kunst: Edle Colliers, Ohrringe, Armbänder und Ringe von bekannten Schmuckdesignern und KünstlerInnen sind bei Kasia Sandhofer als permanente Schmuckausstellung zu sehen. "Zu fairen Preisen, denn gute Kunst zu tragen muss nicht teuer sein", so Kasia Sandhofer. Lauter Unikate fur Individualisten, die durch ihre Exzentrik und ihre innovative Trageform ins Auge stechen. "In Polen setzt man noch sehr auf Handarbeit. Sehr hochwertige Arbeiten. Diese in meiner Galerie zu zeigen ist auch fur mich eine Freude." Die gesamte Schmuckkollektion kann via Homepage auch online erworben werden.
Fingerspitzengefühl für polnische Positionen Als Literaturwissenschafterin hat Kasia Sandhofer die Nähe figurativen Sprache, die Kunst beschreibt. Daraus entwickelte sie ihr Fingerspitzengefuhl fur junge KünstlerInnen und ihre eigene Liebe zum kreativen Ausdruck. Ein guter Griff gelang ihr mit Paulina Sadowska. Unter dem Titel "What's hidden and exposed" wurden ihre monochromen Menschenbilder in Öl gezeigt, die aus Pressebildern der 40er und 50er entstanden sind. Paulina Sadowska schuf damit emotionale Ansichten, die dem Charakter einer Schwarz-Weiß-Fotografie entlehnt wurden und die dunkle Seite der Menschen und ihre problematischen Emotionen beleuchten. "Diese Ausstellung. war ein großer Erfolg und wanderte von Innsbruck in die große Zacheta nach Lublin, einer Filiale der großen Galerie in Warschau", so Kasia Sandhofer. Die Galeria Zacheta ist eine der bedeutendsten Einrichtungen fur zeitgenössische Kunst in Polen und international bekannt. Das pol- nische Wort Zacheta bedeutet übersetzt etwa Ermutigung oder Ansporn. Junge polnische KünstlerInnen zu fordern und ihre Wissenschaft darüber hierzulande zu vertreten, wird auch Kasia Sandhofers Ansporn bleiben. Ihre Intention als Literaturwissenschafterin und Galeristin lässt sich mit einem polnischen Kunsthistoriker umschreiben: "Die Kunst ist von der Wissenschaft verschieden, beide haben je verschiedene Aufgaben, doch der Universalismus ist ihnen gemeinsam." (Wladyslaw Tatarkiewicz) .