Ausstellungen


Robert Motelski "Wasser 29.07.19:47.2009" Öl/Leinwand 90x120cm


Robert Motelski "Schilfrohr 29.07.15:44.2008" Öl/Leinwand 90x130cm


Robert Motelski "Schilfrohr 03.01.10:43.2009" Öl/Leinwand 90x130cm


Robert Motelski "Bäume 26.05.19:46.2010" Öl/Leinwand 73x130cm


Robert Motelski "Bäume 02.11.20:52.2010" Öl/Leinwand 73x130cm


Robert Motelski "Wellenbrecher 19.03.11:24.2010" Öl/Leinwand 90x130cm


Robert Motelski "Steg 22.11.14:38.2009" Öl/Leinwand 90x130cm


Robert Motelski "Schilfrohr 04.03.11:51.2009" Öl/Leinwand 30x40cm


Robert Motelski "Schilfrohr 08.06.12:02.2010" Öl/Leinwand 28x50cm

Robert Motelski
Im Gegenlicht
Datum: 09.07.2010 - 20.09.2010
Das Licht spielt eine wichtige Rolle in der Malerei. Es baut auf und verstärkt die Expression der Bilder. Die Geschicklichkeit im Gebrauch von wechselnder Intensivität des Lichtes erlaubt dem Künstler seit Jahrhunderten ungewöhnliche Effekte zu erreichen. Besonderes Interesse in der Wirkung von Licht und Schatten offenbarte sich in der Kunst der Renaissance und des Barocks. Zeitgenössische Malerei greift sowohl auf ein präzises Muster wie auch auf deutliche Trennungen von helleren und schattigen Partien zurück. Die zweite Tendenz wird auf eine besonders schöne Weise von dem jungen polnischen Maler Robert Motelski repräsentiert.

Eine ungewöhnlich wesentliche Rolle im Schaffen dieses Künstlers spielt eben das Licht. Jedoch nicht das zarte und diffuse Licht wie bei Renaissancekünstlern, sondern das starke, das die Quelle deutlicher Einteilungen ist. In Motelskis Bildern gewinnt das Licht aus den Pflanzen feurige und kontrastreiche farbige Töne, gleichzeitig aber vereinfacht es die Form der Blätter, Gräser oder Baumkronen. Der Blick entgegen der Sonne zeigt uns das Gras, die Wasserpflanzen oder solche Landschaftselemente wie Holzschuppen als Linien mit ungewöhnlich lebendigem Kolorit. Diese Betrachtungen des Künstlers unterstreicht der Titel der Ausstellung „Im Gegenlicht“.

Motelski erstellt Naturstudien, um im schöpferischen Prozess die Synthese der Naturformen zu erstellen. Die aufmerksamen Beobachtungen der Veränderungen der Landschaft machen aus ihm einen Archivar von dem, was einmalig und vergänglich ist. Diesen Sammelvorgang unterstreichen die Titel der Bilder, sie bestehen aus den Namen der gezeigten Motive, des Datums und der exakten Stunde der Beobachtung.

Der Künstler ist vom Rhythmus, den er in der Natur sichtet, fasziniert. Grashalme, Schilfrohr, senkrechte und ebene Balken, hölzerne Höfe, und sogar die Lichter auf dem Wasser. Alle sind sie in einem einheitlichen koloristischen Raum platziert, welcher eine transzendente Dimension bekommt. Genau solch eine Aussage hat das Bild „Steg 22. November 14:38“, welches einen Holzsteg in Form eines „T“ zeigt. Es erweckt den Eindruck, als wäre der Steg in einem Raum, der aus glatten, blauen Farben mit subtilen Tonunterschieden – symbolhaft für Wasser und Himmel – aufgebaut ist, aufgehängt.

Diese Rückführung der Form der Natur zu fast abstrakten Zeichen zeigt das Interesse Motelskis für die Kunst und Philosophie des fernen Ostens. Besonders in der chinesischen Malerei und Kalligrafie finden wir jenes tiefe Verständnis und die geistige Einstellung zu den hauptsächlich malerischen Formen wie Linie und Fläche. Dank der Reduktion der Naturformen zeigt der Künstler das Wesentliche in Natur und Landschaft. Er macht uns auf die Konstruktion der Pflanzen aufmerksam, auf ihre Vieldeutigkeit und ihr Bedeutungspotenzial. Und all das durch die Rückführung zu einer sparsamen und treffenden Form.

Außer der synthetischen malerischen Sprache werden die Bilder Motelskis durch schöne, meistens symmetrische und ausgewogene Kompositionen charakterisiert. Und sogar in jenen asymmetrischen schiefen Linien der Pflanzenstängel finden wir das allen Arbeiten Motelskis Gemeinsame: Die Suche nach dem Rhythmus. Er ordnet und bereitet die Fläche des Bildes, und die Elemente auf der Leinwand scheinen mit mathematischer Präzision verteilt.
Motelskis Arbeiten sind voller Leben. Die Formen der Natur sind expressiv und leicht gemalt, der Künstler kontrastiert glatte Farbflächen mit idealen, gleichmässigen Konturen.

Die Werke des jungen Künstlers sind durch und durch modern. Trotz der klassischen Thematik, welche die Landschaft darstellt, haben wir hier eine neue und schöpferische Interpretation des Themas. Bei Motelski scheint die Natur ein Vorwand um die Phantasie und das Erinnerungsvermögen des Zuschauers zu wecken. Die vom Künstler benützten Ausschnitte haben ihren Ursprung in der Fotografie und wie diese sollen sie die schönsten Fragmente der Realität im Gedächtnis behalten. Dadurch werden die Bilder Motelskis zu einer Parallele des Gedächtnisses, welches selektiv ist und nur die wichtigsten Formen und Eindrücke behält.


Paulina Sadowska