Justyna Smoleń

Pink water 140 x 190 cm tempera on canvas 2017 Kopie

"Wasser ist weich und elastisch, jedoch zur gleichen Zeit hart und unbeugsam. Es gleitet oder steht. Es ist lautlos und laut, es ist von vielfältigen Beschaffenheit. Kristallisch und sauber, schlammig und blind, nass und trocken, salzig und geschmacklos, schwer und leicht, langweilig und witzig... Es besitzt Tiefe und Oberfläche, es orientiert sich am Ziel in alle Richtungen schwimmend. Es glänzt wie ein Spiegel und spiegelt unser Gesicht. Aber es versenkt jedes Bild und trägt fort jede Erinnerung.“ Justyna Smolen

  • Pink water 140 x 190 cm tempera on canvas 2017 Kopie

    Pink Water 2017 SOLD

  • Smolen002

    "Water II" 2013 (SOLD)

  • J.Smolen Powidok tempera 140 x190cm 2016 Kopie

    Black Water (The Sea) 2016

  • portfolio1

    Black Water (The Sea) 2016
    - exhbition view

  • Moonlight 160x180cm oil on canvas 2014

    Moonlight 2014

  • BLACK XIV 190 x 140 cm oil on canvas 2016

    Black XIV 2016

  • BLACK XIV 190 x 140 cm olej na plotnie 2016 3

    Black XIV 2016 - exhbition view

  • BLACK XIV exhibition view Kopie

    Black XIV 2016 - exhibition view

  • Black IX 115x150cm olej i tempera na potnie 2015 rok

    Black XI 2015

  • Black XI exhibition view Kopie

    Black XI 2015 exhibition view

  • Black XII olej na potnie 115 150 cm 2016 2 Kopie

    "Black XII" 2016

  • 127A0584

    Exhbition view of Black XI and Black XII

  • Black IV oil on canvas 130x100cm 2015rok

    Black IV 2015

  • Ohne Titel3

    White II 2018

  • White II exhbition view Kopie

    White II 2018 exhbition view

  • White III 150x100 oil on canvas 2018 Kopie 2

    White III 2018

  • Ohne Titel.2jpg

    Pink 2017

  • Ohne Titel

    Green I 2017

Nach der Uraufführung von Claude Debussys „La Mer“ hatte der Musikkritiker Pierre Lalo wenig schmeichelhaft festgestellt, dass er das Meer nicht gesehen, nicht gehört und nicht gespürt hat. Man musste mehr als 80 Jahre warten damit diese Ansicht ein für alle Mal durch den Biographen des Komponisten Luc Knödler, korrigiert wurde. Er schrieb: Diese Komposition ist keine Imitation des Meeres. Sie ist das Meer.

Justyna Smolen malt eben Meer (obwohl eigentlich richtiger wäre zu sagen, dass sie Wasser porträtiert) und die von ihr aufgebaute Evokation seines Charakters schwebt - könnte man auch behaupten, zwischen den beiden Meinungen. Einerseits, in Wirklichkeit sehen wir das Meer nicht. Wir hören es nicht. Vielleicht können wir noch nicht einmal spüren, dass die sanft und flach gemalten Öl und Tempera Leinwände Ozean zeigen. Wir sehen nur ein herausgerissenes, durch die Rahmen begrenztes Fragment, wir sehen das Kräuseln der Wellen, das Spiel des Lichtes diskret über die Oberfläche gleitend. Wir sehen den bildhaften, nicht illusorischen (so weit entfernt von trompe l’oeil) Versuch den Betrachter in einen für den Menschen äußerst unwirtlichen Raum mitzunehmen.

Die maritimen Bilder, von jeder Präsenz der menschlichen Anwesenheit in Raum frei (außer der abstrakten Anwesenheit des Blickes) begegnen uns mit einer fremden, fast unmöglichen Realität – unsere Augen erkennen, dass wir uns dorthin nicht transferieren können. Obwohl die von Smolen aufgebaute Fläche immens suggestiv ist und die scheinbare Tiefe ihrer Gewässer uns enorm anzieht, stößt sie uns gleichzeitig auch fort. Auf der matten, grauen Wasseroberfläche der Leinwand spiegelt sie beinahe unseren Blick zurück, welcher die Oberfläche nicht zu durchdringen vermag.
Das Sehvermögen beginnt sich zu verlieren, der Unterstützung beraubt, plötzlich sind wir uns nicht sicher ob wir weiterhin das Bild des Meeres, oder eine abstrakte, durch rhythmische Schnitte bedeckte Ebene betrachten. Eine leicht zitternde, mit zarten, manchmal fast unmerklichen farblichen Nuancen bedeckte Fläche.

Justyna Smolen führt uns von Illusion zur Aporie. Vom Glauben, dass das Bild uns einen unendlichen Raum erschließt bis hin zum Zustand der Unsicherheit, weil das, was real war plötzlich zur einer immer düstereren Vision wird.
Die Reflektionen des Wassers weichen der nocturnen Atmosphäre, die immer weniger klare tonale Grenzen und Kontraste aufweist und zu dichtem Grau wird, das die harmonischen Klänge dämpft.
In ihren spektakulären Bildern voller Finesse beginnt die Künstlerin die Mittel bescheidener zu verwenden, obwohl die Bilder dadurch wesentlich expressiver werden.
Die Flächen der Leinwände sind nicht mehr nur Reflexionen einer gewissen/sicheren Realität. Sie werden zur abstrakten Ebenen, komponiert wie Musikstücke aus formal anspruchsvollen Komponenten.

Hier nähern wir uns Knödlers Ansatz. Justyna Smolens Bilder sind sozusagen das Meer, und nicht seine Darstellung. Obwohl fragmentarisch, öffnen uns ihre Kompositionen für die Unendlichkeit, eine unermessliche Möglichkeit der Multiplikation. Die Künstlerin versteckt nicht ihre Faszination für das Phänomen der regelmäßigen Spektrogramme, die man ohne Ende wiederholen kann und damit die Struktur der Schallwelle der Musik rekonstruieren kann. Das Meer Smolens wiegt sich zu diesem unhörbaren Ton und verbreitet sich in der Vorstellungskraft der Betrachter. Gerade jener, der Zuschauer, der Empfänger ist in diesen Augenblick der wichtigste – er ernennt das Bild, er soll in seine Wirklichkeit eintauchen.

Das Meer der Künstlerin ist eine Montage von vielen möglichen Meeren, zahlreichen Fragmenten, jedoch ist es nie das konkrete, partikulare Auffassung eines Phänomens. In diesem Sinne erinnern sie an die fotografischen Meereslandschaften von Hiroshi Sugimoto, der in minimalistischen, sparsamen gleichzeitig unglaublich raffinierten Kompositionen eine unschuldige, vorsprachliche Welt zeigt. Eine Welt vor dem Auftreten der Weltbevölkerung, einen isolierten Raum ursprünglicher Schönheit. Dies ist ein Versuch das Phänomen, das die Grenzen der Wahrnehmung überschreitet zu begegnen. Kant nennt es Erhabenheit.

Michał Zawada


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